Ernährungsbericht 2012: Krebs vorbeugen durch Ernährung

Ernährungsbericht 2012

Ernährungsbericht 2012

Kann uns die richtige Ernährung vor Krebs schützen? Welche Lebensmittel senken das Risiko, welche erhöhen es? Eine aktuelle Bewertung der Studienlage enthält Kapitel 5 des Ernährungsberichtes, über das Prof. Dr. Heiner Boeing vom DIfE beim Journalistenseminar der DGE am 30. Januar in Bonn berichtete. Schnell und übersichtlich finden Sie hier alle Lebensmittel, die das Risiko möglicherweise oder wahrscheinlich senken bzw. erhöhen.

 

Ernährungsbericht 2012

Kapitel 5  Prävention von Krebskrankheiten durch Ernährung

Vortrag von Prof. Dr. Heiner Boeing, Deutsches Institut für Ernährungsforschung DIfE

 

Bereits in den Ernährungsberichten 2004 und 2008 wurde die Beziehung zwischen Ernährung und Krebserkrankungen untersucht. Seitdem hat sich die Datenlage weiter verbessert. Dadurch konnte im aktuellen Bericht häufiger ein „möglicher“ Zusammenhang zwischen bestimmten Lebensmitteln und Krebs gesichert werden. Andererseits wurde die Verknüpfung auch häufiger als „unzureichend“ bewertet. Bei der Vergabe der Evidenzgrade „wahrscheinlich“ und „überzeugend“ hat sich dagegen kaum etwas geändert.

Ausgewertet wurden Studien und Übersichten aus der NCBI-Datenbank „Pub Med“ aus den Jahren 2008 bis November 2011. Die Bewertung erfolgt in den Evidenzgraden „überzeugend“, „wahrscheinlich“, „möglich“ und „unzureichend“.

 

1. Ein erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse …

… senkt „wahrscheinlich“ das Risiko für Krebs im Mund/Rachen/Kehlkopfbereich.
… senkt „wahrscheinlich“ das Risiko für Krebs in der Speiseröhre (Plattenepithel).
… senkt „wahrscheinlich“ das Risiko für Dickdarmkrebs.

… senkt „möglicherweise“ das Risiko für Mastdarmkrebs.
… senkt „möglicherweise“ das Risiko für ein Adenokarzinom in der Speiseröhre.
… senkt „möglicherweise“ das Risiko für Nierenkrebs.

Viel Obst senkt „wahrscheinlich“ das Risiko für Lungenkrebs,
viel Gemüse senkt „möglicherweise“ das Risiko für Lungenkrebs.

2.  Ein erhöhter Verzehr von Milch und Milchprodukten …

… senkt „wahrscheinlich“ das Risiko für Dickdarmkrebs.

… senkt „möglicherweise“ das Risiko für Mastdarmkrebs.
… senkt „möglicherweise“ das Risiko für Blasenkrebs.
… senkt „möglicherweise“ das Risiko für Brustkrebs.

… erhöht „möglicherweise“ das Risiko für Prostatakrebs.

3. Ein erhöhter Verzehr von rotem Fleisch und Fleischerzeugnissen …

… erhöht „wahrscheinlich“ das Risiko für Krebs von Dickdarm und Enddarm.

… erhöht „möglicherweise“ das Risiko für Krebs der Speiseröhre.
… erhöht „möglicherweise“ das Risiko für Magenkrebs.
… erhöht „möglicherweise“ das Risiko für Nierenkrebs.

4.  Ein erhöhter Verzehr von Eiern …

… erhöht „möglicherweise“ das Risiko für Brustkrebs.

5.  Für einen erhöhten Verzehr von Fisch und Geflügel wurden meist nur unzureichende Aussagen über Zusammenhänge mit Krebserkrankungen gefunden. In vielen Fällen konnte ein Zusammenhang mit bestimmten Krebserkrankungen auch mit möglicher oder wahrscheinlicher Evidenz ausgeschlossen werden.

 

Aufgeführt sind hier nur die möglichen bis überzeugenden Evidenzen dafür, dass eine Beziehung zwischen bestimmten Lebensmittelgruppen und Krebs besteht. Unzureichende Bewertungen sowie mögliche bis überzeugende Evidenzen dafür, dass kein Zusammenhang besteht, bleiben hier unberücksichtigt. Sie sind im Ernährungsbericht nachzulesen.

 

Lesen Sie auch die bisherigen Artikel zum Ernährungsbericht:

Kapitel 1 Ernährungs- und Gesundheitstrends in Deutschland
(Dipl. oec. trop. Angela Bechthold, DGE)

Kapitel 1.7 Übergewicht und Adipositas in Deutschland
(Dr. Gert Mensink, RKI)

Kapitel 2 Ernährungssituation pflegebedürftiger Senioren in Privathaushalten
(Prof. Dr. Dorothee Volkert, Uni Erlangen-Nürnberg)

Kapitel 3 Essen auf Rädern: Wie gut sind Qualität und Kundenzufriedenheit?
(Prof. Ulrike Arens-Azevedo, HAW Hamburg)

Kapitel 4 Lebensmittelsicherheit
(Prof. Dr. Dr. Alfonso Lampen, BfR)

Kommentare

  1. Wir interessieren uns seit langem für das Thema „Übersäuerung“ . Immer wieder wird
    das Grundproblem , dass Krankheiten vor allem im sauren Milieu entstehen , in einschlägiger Literatur (z.B. : „Die Entsäuerungs-Revolution“ von Hannelore Fischer-Reska )
    hervorgehoben. Dieses Grundproblem der allgemeinen Übersäuerung durch fast jegliches, was der „Normal“mensch in den Industriestaaten verkonsumiert, und das überall , an jeder Ecke, in die Augen fällt, wird aus Gründen des Profits verharmlost.Nicht einmal alle Ärzte
    kennen sich mit den pH-Werten aus . Viele „wittern“ bei diesem Thema sofort eine Gefahr
    für die Allopathie…… Das in Kürze! Viele Grüße von der grünen Insel!
    Irmgard-Imke Michaelis

  2. Liebe Frau Michaelis,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Krebs mit Übersäuerung in Verbindung zu bringen, finde ich jedoch recht gewagt. Der Säure-Basen-Haushalt ist aus meiner Sicht ein sehr spannendes Thema, über das ich schon längst hier im Blog schreiben wollte. Denn dazu werden leider viele hanebüchene Aussagen verbreitet, die wissenschaftlich in keiner Weise belegt sind.
    Deshalb hier zwei seriöse Artikel:
    http://www.bfdev.de/infos/seminareArchiv/003/Siener-Abstract3-%20IASr.pdf (Abstract)
    http://www.ernaehrungs-umschau.de/media/pdf/pdf_2006/05_06/EU05_168_173_Version02.pdf (Artikel in der Ernährungsumschau)