Ernährungsbericht 2012: Essen auf Rädern

Ernährungsbericht 2012

Ernährungsbericht 2012

Seit 1961 gibt es „Essen auf Rädern“ in Deutschland. Doch wie gut ist das Essen, wie zufrieden die Nutzer? Erstmals wurden diese Mahlzeitendienste umfassend untersucht. Die Ergebnisse liefert Kapitel 3 des Ernährungsberichtes. Den engagierten Vortrag der Studienleiterin Prof. Arens-Azevedo beim Journalistenseminar der DGE am 30. Januar in Bonn fasse ich hier kurz und knapp zusammen.

 

Ernährungsbericht 2012

Kapitel 3 Essen auf Rädern: Wie gut sind Qualität und Kundenzufriedenheit?

Vortrag von Prof. Ulrike Arens-Azevedo, HAW Hamburg

 

Die Studie

2496 Mahlzeitendienste wurden recherchiert, 844 antworteten.

Eine Analyse von 236 Vier-Wochen-Speiseplänen gab Aufschluss über die qualitative Zusammensetzung der Menüs.

205 Verbraucher mit einem Durchschnittsalter über 80 wurden zu Angebot und Service befragt.

Die bundesweite Studie wurde im Auftrag der DGE durchgeführt.

1. Vielfältiges Essensangebot, oft Tiefkühlkost

Gut 76 % der Anbieter liefern Essen an sieben Tagen in der Woche. Ein gutes Drittel bieten vier und mehr Menüs zur Auswahl an. Oft können verschiedene Portionsgrößen und Kostformen gewählt werden. Die Preisspanne reicht von 3 bis 12 €, die meisten liegen jedoch bei 5 – 6 €.

Etwa drei Viertel der Mahlzeitendienste stammen von gemeinnützigen Anbietern, knapp ein Fünftel von Privaten. Während die Gemeinnützigen überwiegend Tiefkühlkost liefern, wird bei den Privaten häufiger selbst gekocht.

2.  Zu viel Fleisch, zu wenig Salate und Gemüse

Beim Abgleich der Speisepläne mit den DGE-Empfehlungen für „Essen auf Rädern“ zeigten sich einige Defizite. Bei fast allen Anbietern gibt es zu viel Fleisch. Knapp 60 % bieten nicht täglich Gemüse. Fleischlose Alternativen sowie frisches Obst fehlen oft. Knapp ein Drittel der Anbieter liefert nie Salat oder Rohkost. Dafür gibt es bei der Hälfte der Anbieter täglich Dessert.

3. Deklaration teilweise ungenügend und zu klein

Die Kunden erhalten oft keine Mengen- und Nährstoffangaben zu den Mahlzeiten. Zudem erfolgt die Kennzeichnung bei knapp zwei Dritteln der Anbieter in zu kleiner, nicht seniorengerechter Schrift.

4.  Sicherheit und Warmhaltezeiten nicht immer optimal

Die Transportzeiten reichen von unter 30 Minuten bis eineinhalb Stunden. Bei manchen Anbietern (mind. 6 %) wird die maximale Warmhaltezeit von drei Stunden überschritten.

Problematisch erscheint, dass nicht alle Anbieter die Lebensmittelsicherheit systematisch überwachen. Das gesetzlich vorgescriebene HACCP-Konzept zur Gefahrenanalyse und -kontrolle ist bei etwa 30 % nicht bekannt.

5.  Zufriedenheitsparadox: Nutzer meist sehr zufrieden

Während die fachliche Analyse einigen Verbesserungsbedarf aufzeigte, waren die befragten Nutzer überwiegend sehr zufrieden mit Geschmack, Aussehen und Konsistenz der Speisen ebenso wie mit dem Angebot und dem Service insgesamt (66 % sehr zufrieden, 33 % meist zufrieden). Im Schnitt erhalten die Befragten seit viereinhalb Jahren „Essen auf Rädern“ und wechseln selten den Anbieter.

Verantwortlich dafür ist vermutlich das „Zufriedenheitsparadox“: Die Nutzer sind dankbar, dass es dieses Angebot überhaupt gibt und arrangieren sich mit dem, was sie bekommen.

Empfehlungen zur Verbesserung von „Essen auf Rädern“

  • mehr gemüsebetonte fleischlose Speisen
  • Warmhaltezeiten verringern
  • HACCP-Konzept anwenden
  • DGE-Qualitätsstandards umsetzen
  • Eine Zertifizierung für Mahlzeitendienste wäre wünschenswert
  • Bessere Vernetzung von Mahlzeiten- und Pflegedienst
  • Ernährungs- und Gesundheitszustand der Nutzer erfassen (Ernährungsstatus, Pflegestufe, feinmotorische und geistige Fähigkeiten, Mobilität)
  • Vorlieben und Abneigungen sowie Küchenausstattung der Nutzer berücksichtigen
  • Zusätzliche Angebote: 3/4 der Nutzer wünschen sich eine Haushaltshilfe

 

Infos zur Studie „Essen auf Rädern“ liefert auch die DGE-Pressemeldung

Essen auf Rädern: Kunden sind mit der Dienstleistung zufrieden

 

 

Am nächsten Dienstag gibt’s die  vorerst letzte Ernährungsbericht-Zusammenfassung über Kapitel 5 zur Prävention von Krebskrankheiten. Hier auch die bisherigen Themen:

Kapitel 1 Ernährungs- und Gesundheitstrends in Deutschland
(Dipl. oec. trop. Angela Bechthold, DGE)

Kapitel 1.7 Übergewicht und Adipositas in Deutschland
(Dr. Gert Mensink, RKI)

Kapitel 2 Ernährungssituation pflegebedürftiger Senioren in Privathaushalten
(Prof. Dr. Dorothee Volkert, Uni Erlangen-Nürnberg)

Kapitel 4 Lebensmittelsicherheit
(Prof. Dr. Dr. Alfonso Lampen, BfR)

Kapitel 5 Prävention von Krebskrankheiten durch Ernährung
(Prof. Dr. Heiner Boeing, DiFE)