Das Blog über Ernährung und Kommunikation

Mal ehrlich: Mogelpreise im Lebensmittelhandel

Unter dem Motto “Weniger drin – Preis gleich” prangert die Verbraucherzentrale Hamburg verdeckte Preiserhöhungen bei Lebensmitteln an. Seit Freigabe der Verpackungsgrößen im April verringerten manche Hersteller einfach die Füllmenge, doch der Preis blieb gleich. Ein weiterer “Trick”: Rezepturänderungen. Teure Zutaten wie Fleisch, Fisch oder hochwertige Fette werden reduziert, günstigere dafür aufgestockt. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat auf ihrer Website etliche Beispiele aufgelistet. (Leider hat die Liste keine eigenständige URL.)

Zugegeben: Gerade in Deutschland sitzen die Lebensmittel-Hersteller in der Zwickmühle. Viele Rohwaren werden teurer. Doch die Lebensmittelpreise sind noch immer niedriger als in anderen europäischen Ländern. Und die Deutschen geizen gerne, wenn es um den Lebensmittel-Einkauf geht.

Dennoch: Kunden für dumm zu verkaufen, zahlt sich letztlich nicht aus. Dies zeigt das Beispiel “Philadelphia”, dessen Umsatz deutlich sank nach Reduzierung der Füllmenge bei gleichem Preis. Aus meiner Sicht als PR-Frau kann ich von solchen “Tricks” nur abraten. So verspielt man das Vertrauen der Verbraucher und beschädigt das mühsam aufgebaute Image der Marke.

Andererseits: Auch die Kunden sind nicht ganz unschuldig an der Misere. Wer nicht mehr “hinschmeckt” bei dem, was auf den Tisch kommt, sondern nur aufs Geld schaut, der kann kaum vernünftige Qualität erwarten. Es gibt ja zahlreiche Lebensmittel-Hersteller, die hochwertigeProdukte zu angemessenen Preisen liefern. Doch die Zielgruppe, die bereit ist, solche Preise zu zahlen, ist begrenzt. Manche Verbraucher können sich diese Qualität auch kaum leisten.

Mein Fazit: Ehrlichkeit ist gefragt. Hersteller sollten Änderungen klar und offen kommunizieren und im Zweifelsfall begründen. Frosta macht vor, wie so etwas funktionieren kann. Andererseits sollten auch Verbraucher ehrlich mit sich und ihren Motiven sein. Wer vor allem billige Lebensmittel will, kann auch nur eingeschränkte Qualität (oder Menge) erwarten.

Corinna Dürr, 14. November 2009 | Thema: Allerlei Ernährung, Allerlei Kommunikation, Heiße Kartoffeln
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